Das allmächtige Internet

Es wird neulich immer häufiger behauptet, dass was es im Internet nicht gibt, gibt es überhaupt nicht. Wenn ein Begriff nicht gegoogelt werden kann, bedeutet dies, dass ein solches Phänomen gar nicht existiert. Hast du kein Profil auf der führenden Sozial Media-Plattform und stehst nicht in Kontakt mit hunderten Bekannten dank dem neusten Telefon mit unbegrenztem Internetzugang, gibt es dich einfach nicht.

Im Internet kann man alles über alles finden: vom Fahrplan der Morgenbusse über Kochrezepte bis zur medizinischen Diagnose für dein Kind. Jede Einrichtung, Firma und sogar jede Person, die in Business erfolgreich sein will, muss ihre eigene Internetseite haben. Willst du ins Kino gehen? Den Spielplan jedes einzelnen Kinos findest du auf einer entsprechenden Internetseite. Musst du ein Auto in Köln mieten? Kein Problem – schau dir einen Preisvergleich der Autovermieter in Köln an. Hast du Lust, Sushi für deine Liebste zum Jahrestag selbst vorzubereiten? Im Internet findest du und erledigst alles: von Einkäufen bis zum genauen, illustrierten Kochrezept, alles in einer historiosophischen Soße über die japanische Essenskultur.

Die Allwissenheit und die Allmächtigkeit des Internets kann ausgelacht werden, aber der Prozess, in dem das Internet die Macht über unser Leben übernimmt, ist unumkehrbar. Man kann ein T-Shirt mit der Beschriftung „Ich brauche Google nicht, meine Frau weiß alles“ anziehen, aber das ist nur ein Schwanengesang unserer Unabhängigkeit. Die Macht des Geschmacks wurde zur Macht der Statistiken, die mit Positionierungsarbeit und willkürlichem Aufbauen von Popularitätshierarchien auf der Basis von Businessansätzen gestaltet werden.

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