Leben aus dem Verleih
Die Zeiten, wenn Verleihen nur mit einer VHS-Videothek assoziiert wurde, sind längst vorbei. Na ja, viele wissen heute gar nicht mehr, was diese Abkürzung bedeutet und worauf es sich bezieht. Videokassetten sind in Vergessenheit geraten und Videotheken, die heutzutage DVDs anbieten, verlieren an Popularität, weil viele Multimedia kostenlos im Internet zur Verfügung gestellt werden.
Zurzeit lässt es sich fast alles ausleihen. Kostüme, Hochzeitskleider, Ski, Schlittschuhe, Fahrräder, schließlich Autos und Anhänger (für das Gepäck, Camping usw.). Es gibt sogar Preisvergleichmaschinen, die Angebote z.B. unterschiedlicher Autovermieter zusammenstellen.
Es lässt sich also nicht nur auf Kredit leben, sondern auch mit anderen langfristigen Darlehen, ohne etwas sein Eigen zu nennen. In einer Mietwohnung lesen wir Bücher aus der Bibliothek, zur Arbeit fahren wir mit einem Mietwagen oder Mietfahrrad, in einem ausgeliehenen Kleid heiraten wir – nur der Verlobte sollte nicht ausgeliehen werden… Mit einem ausgeliehenen Laptop können wir ausgeliehene DVDs spielen und uns einen Film an der Wand mit einem ausgeliehenen Beamer anzuschauen. Heutzutage sind Mobilität und Unabhängigkeit wichtiger als Verbundenheit mit Werten und Eigentum, ein Leben aus dem Verleih ist sehr bequem: ohne Verpflichtungen, vorläufig, fast eigen. Es ist aber bekannt, dass „fast“ einen Unterschied macht. Ohne Wurzeln und ohne das Gefühl, einem Ort in der Welt zu gehören kann ein Vorteil in der heutigen, hastigen Zeit sein, aber es ist gut, sich ab und zu anzuhalten, um sich über etwas freuen, was ausschließlich uns gehört. Es mag auch nur ein Traum sein.